{"id":8463,"date":"2025-07-09T09:38:05","date_gmt":"2025-07-09T09:38:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.aktionvierviertel.ch\/?p=8463"},"modified":"2026-02-13T04:51:19","modified_gmt":"2026-02-13T04:51:19","slug":"von-der-freude-da-sein-zu-duerfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktionvierviertel.ch\/fr\/von-der-freude-da-sein-zu-duerfen\/","title":{"rendered":"De la joie d\u2019\u00eatre l\u00e0 !"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Vor einem Monat haben Elias Studer und Orhan vor Bundesgericht einen <\/span><a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2522\/einbuergerungen\/dieser-fall-war-perfekt\/!EHWRWND25VR1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">historischen Erfolg<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> erzielt. Dieser Erfolg wiederum hat Schuan Tahir dazu ermutigt, <\/span><a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/politik\/er-spricht-perfekt-deutsch-und-hat-den-einbuergerungstest-bestanden-wegen-lappalie-darf-cafe-besitzer-nicht-schweizer-werden-id20963337.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">seine Geschichte<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> zu erz\u00e4hlen: Er wurde nicht eingeb\u00fcrgert, weil er ein Autonummernschild zu lange nicht zur\u00fcckgeschickt hatte. Das ist leider kein Witz. Solche Bagatellen reichen heute aus, um die Einb\u00fcrgerung zu verweigern. Wir setzen uns daf\u00fcr ein, dass sich das nun hoffentlich bald \u00e4ndert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein trauriger H\u00f6hepunkt der letzten Wochen war auch der <\/span><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/einbuergerung-abgelehnt-integration-genuegt-nicht-unteriberg-buergert-ein-paar-nicht-ein\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">SRF-Rundschau-Beitrag<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> zur Nicht-Einb\u00fcrgerung eines holl\u00e4ndischen Paars, das seit 20 Jahren in der Schweiz lebt. Die Gemeinde kam zum Schluss, die beiden h\u00e4tten zwar einen tadellosen Leumund, ausreichende Deutschkenntnisse sowie geordnete pers\u00f6nliche und finanzielle Verh\u00e4ltnisse. Aber es habe beim Wissen \u00fcber Politik und Gemeinde gehapert und sie seien \u00abnicht gen\u00fcgend integriert\u00bb. Der SVP-Gemeindepr\u00e4sident liess verlauten, man sehe sie nirgends im Dorf und \u2013 Achtung! \u2013 man sp\u00fcre schlicht nicht, dass das Paar Freude habe, da sein zu d\u00fcrfen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ob \u00abdie Freude, da sein zu d\u00fcrfen\u00bb ein Einb\u00fcrgerungskriterium ist? Nat\u00fcrlich nicht. Das geht in einem Rechtsstaat niemanden etwas an, und \u00absp\u00fcren\u00bb ist auch nicht gerade das, was Einb\u00fcrgerungskommissionen haupts\u00e4chlich tun sollten. Aber in der Schweiz l\u00e4sst sich unter dem Integrationsbegriff so gut wie alles fassen, um eine Einb\u00fcrgerung abzulehnen. Der Fall von Ronny und Saskia steht exemplarisch f\u00fcr die Herr-im-Haus-Mentalit\u00e4t, die der Schweizer Einb\u00fcrgerungspolitik zugrunde liegt. Wie die Kaiser im alten Rom: Daumen hoch oder Daumen runter, nach freiem Belieben, oder eben: die absolute Willk\u00fcr.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Rundschau-Beitrag nimmt den Entscheid der Gemeinde aufs Korn, indem er aufzeigt, dass viele Einwohner:innen die Wissensfragen f\u00fcr die Einb\u00fcrgerung selbst nicht beantworten k\u00f6nnen. Der h\u00f6chste Berg? Der Unterschied zwischen National- und St\u00e4nderat? Alle durchgefallen. Der Gemeindepr\u00e4sident verteidigt die Fragen, die Einb\u00fcrgerung sei wie die Autopr\u00fcfung: Man bereite sich darauf vor, dann schaffe man das. Nur: Die Autopr\u00fcfung m\u00fcssen alle bestehen, die ein Auto fahren wollen. F\u00fcr den Schweizer Pass m\u00fcssen die meisten gar keine Pr\u00fcfung absolvieren, w\u00e4hrend andere dieses schikan\u00f6se Verfahren auf sich nehmen m\u00fcssen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nicht nur bei den Wissensfragen m\u00fcssen Einb\u00fcrgerungswillige mehr beweisen als die Durchschnittsschweizerin. Eine <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1162\/euso.a.30\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">neue Studie<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> zeigt mittels einer Umfrage auf, dass die Erf\u00fcllung gewisser sozialer Normen, die typischerweise im Rahmen der \u00abIntegration\u00bb verlangt werden, von \u00abAusl\u00e4ndern\u00bb st\u00e4rker erwartet wird als von der Gesellschaft als ganzes. Die Migrationsforschung spricht dabei von der sogenannten \u00abIntegrationsdispensation\u00bb: Integration wird nur von einem ganz bestimmten Teil der Bev\u00f6lkerung eingefordert und \u00fcberpr\u00fcft, von allen anderen nicht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es gibt noch viel zu tun auf dem Weg zur vollwertigen Demokratie, lass uns gemeinsam daran weiterbauen. Hilfst du uns, Geschichten wie jene von Orhan, Schuan, Saskia und Ronny bekannter zu machen?<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/aktionvierviertel.payrexx.com\/de\/pay?cid=49643025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">[Spende f\u00fcr die Vierviertel-Demokratie]<\/span><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Danke, dass wir auf deine Unterst\u00fctzung z\u00e4hlen d\u00fcrfen!<br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Deine Aktion Vierviertel<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einem Monat haben Elias Studer und Orhan vor Bundesgericht einen historischen Erfolg erzielt. Dieser Erfolg wiederum hat Schuan Tahir dazu ermutigt, seine Geschichte zu erz\u00e4hlen: Er wurde nicht eingeb\u00fcrgert, weil er ein Autonummernschild zu lange nicht zur\u00fcckgeschickt hatte. Das ist leider kein Witz. Solche Bagatellen reichen heute aus, um die Einb\u00fcrgerung zu verweigern. 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